Mit 79 Jahren nimmt sie es immer noch mit den Profis auf
Wir dachten, Stan Wawrinka sei ein «ewiger» Profi, nachdem er kürzlich im Alter von 41 Jahren zurückgetreten ist. Aber dann haben wir von Gail Falkenberg erfahren.
Die Amerikanerin wurde in Wawrinkas Geburtsjahr 1985 Tennisprofi – und spielt immer noch. In dieser Woche trat Falkenberg bei einem ITF-Turnier in Orlando (Florida) an. Der 19-jährigen Aspen Schuman unterlag sie glatt 0:6, 0:6.
@introvertjc This legend returned! https://t.co/f8QMVrRWOj
— 💜 (@VenusGauff) November 3, 2026
«Einen Sieg will ich noch, bevor ich aufhöre», sagte die 79-Jährige danach der «New York Post». Schön fände sie, würde sie ihr Ziel vor dem runden Geburtstag im Januar erreichen. Die Knie würden ihr zwar Sorgen bereiten, aber dafür habe sie überraschende Schläge in ihrem Repertoire: «Ich kann den Ball auf alle möglichen Arten schlagen.»
«Das Alter macht mir nichts aus, ich bin nicht verletzt. Aber ich muss arbeiten und möglichst mit Spielerinnen trainieren, die so gut sind wie Schuman», erklärte Falkenberg. «Dieses Niveau ist wirklich, wirklich gut.»
THIS IS THE STORY OF A G.O.A.T. (GRANDMA OF ALL TIME) At 79 years old, Gail Falkenberg played the ITF Orlando qualies against 19-year-old Aspen Schuman—60 years her junior—falling 0-6, 0-6. Her dream? To win just one match at the pro level. Pure passion. https://t.co/DZl1AdhwrX
— Kalshi Tennis (@KalshiTen) November 4, 2026
Auf diesem Niveau war Falkenberg einst selber. 1987 stiess sie – mit damals 40 Jahren – in der Weltrangliste bis auf Rang 360 vor. 1988 überstand sie in der Qualifikation für das Australian Open die 1. Runde. Das waren bemerkenswerte Erfolge, denn ihr Weg in den Tenniszirkus war ungewöhnlich.
Während ihres Studiums an der UCLA in Los Angeles spielte Falkenberg zwar Tennis und Basketball, aber danach arbeitete sie im Filmgeschäft. Erst mit etwa 35 Jahren, in einem Alter in dem die Karriere der meisten Profis vorbei ist, zog es sie wieder zum Tennis. Als Autodidaktin setzte sie alles auf eine Karte und schaffte es tatsächlich für mehrere Jahre auf die Profi-Tour.
Für Falkenberg war das auch deshalb eine Genugtuung, weil mehrere Trainer ihr gegenüber deutlich zu verstehen gegeben hätten, dass sie mit ihrer Technik niemals etwas erreichen würde. 2016 schaffte sie es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde, als sie mit 69 Jahren als älteste Spielerin ein Match auf der ITF Tour gewann.
Danach verlor sie zwar gegen Taylor Townsend, damals schon Drittrunden-Spielerin an den French Open und später die Nummer 46 der Welt, mit 0:6, 0:6. Aber ihr fehlte nur ein Punkt zu einem Game-Gewinn. «Danach wollten Medien auf der ganzen Welt etwas von mir», erinnerte sie sich.
«Was für ein Leben», staunt sie im Rückblick. Erst habe sie am Filmset mit Western-Held John Wayne gestanden und dann gegen Jennifer Capriati oder Naomi Osaka auf dem Tennisplatz.
Unter der Sonne Floridas arbeitet Gail Falkenberg nach wie vor als Tennislehrerin. «Ich geniesse nicht nur den Wettkampf, es hält mich auch jung, wenn ich mit jüngeren Menschen zusammen bin», sagt sie. Ihren Schülern bringt sie nicht nur Vor- und Rückhand bei, sie gibt ihnen auch einen Rat fürs Leben: «Glaubt nicht, was andere euch erzählen, denn ihr könnt immer viel mehr erreichen.»
