«Sie sind eine Schlange»: Marjorie Taylor Greene rechnet mit Trump ab
Ein US-Korrespondent bekommt nicht häufig Post vom amerikanischen Präsidenten. Am Wochenende aber landete ein E-Mail von Donald Trump in meinem Postfach. Er schrieb darin, dass er meine Hilfe benötige, damit seine Mitteilungen möglichst viele «TOP-PATRIOTEN» erreichten.
Richtig geraten: Beim Mail handelte es sich nicht um eine Nachricht aus dem Oval Office – sondern um einen Spendenaufruf des Republikaners. Immerhin war dieser aber personalisiert. «Renzo, habe ich etwas falsch gemacht?», fragte mich «DJT» darin.
Ich liess die Frage im Raum stehen und löschte die Nachricht. Ganz anders reagierte die ehemalige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene auf den virtuellen Bettelbrief. Die Republikanerin beantwortete am Sonntag die (rhetorische) Frage des Präsidenten, weil sie zehn Monate nach ihrem Rücktritt aus dem Repräsentantenhaus immer noch sauer auf Trump ist. «Ja, Sie haben tatsächlich etwas falsch gemacht», schrieb sie.
Oh he sent me an email, I think I’ll respond. So yes, actually you did do something wrong President Trump, let’s first start with your broken campaign promises. You protected your pedophile rapists friends instead of women who were raped when they were just teenage girls and you STILL REFUSE to release the Epstein files. You started an unprovoked war with Iran that the vast majority of Americans do NOT support. You killed hundreds of children at a school in Iran and innocent people and are responsible for 21 U.S. service members deaths and 865 wounded. Your stupid war that you claim you have won like 50 times has destroyed our bases in the Middle East and hundreds of billions of dollars worth of military equipment and weapons, while depleting our weapons and ammunitions. You are supporting, funding, and aiding genocide in Gaza that has resulted in approximately 22,000 children murdered, thousands of children with amputations, and over 70,000 orphans. And your so called Board of “Peace” has done nothing to stop war and is planning to oversee the very profitable reconstruction and take over of Gaza. One can only guess who all will get those blood money contracts, the Epstein class and associates. And let’s talk about the basics that every single US president is supposed to guarantee to its citizens. Affordable cost of living and affordable fuel in which you have 100% failed to deliver and actually driven inflation and irresponsibly driven the cost of gasoline and diesel to record high levels. So did you do something wrong? Yes in summary, YOU are the snake that you warned us all about in the poem you read over and over. You never cared about putting America first or making America great again. You are the deep state, the Epstein class, and America last. And my mistake was supporting you in the first place.
— Former Congresswoman Marjorie Taylor Greene🇺🇸 (@FmrRepMTG) October 11, 2026
Und weil Greene ein ausgeprägtes Sendungsbedürfnis besitzt, veröffentlichte sie ihre Antwort umgehend auf dem Onlinedienst X. Dort wurde sie allein in den ersten 24 Stunden gegen 1,4 Millionen Mal angeklickt.
Greene kritisiert den Iran-Krieg scharf
Die drei wichtigsten Kritikpunkte von MTG, wie Greene häufig genannt wird: Erstens habe sich der Präsident geweigert, sämtliche Ermittlungsakten über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Stattdessen habe Trump seine «pädophilen Vergewaltiger-Freunde» beschützt.
Zweitens habe der Präsident unnötigerweise einen Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen, der von der grossen Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung abgelehnt werde. Dieser «dumme» Konflikt habe nicht nur Hunderte Kinder im Iran das Leben gekostet, auch seien 21 Mitglieder der US-Streitkräfte gestorben. Und drittens unterstütze Trump den israelischen «Genozid» gegen die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza.
Hinzu kämen die Versäumnisse in der Wirtschaftspolitik. Zusammenfassend lasse sich deshalb sagen, dass Trump die Schlange sei, von der er in seinen Wahlkampfreden häufig warne. «Ihnen war es nie wichtig, Amerika an die erste Stelle zu setzen oder Amerika wieder grossartig zu machen», schreibt die 52-jährige Ex-Abgeordnete. Ihr Fehler sei es gewesen, Trump überhaupt jemals unterstützt zu haben.
Plant die Ex-Abgeordnete ein Comeback?
Die Kritik von Greene – die sie in ähnlicher Form schon mehrmals vorgetragen hat – blieb natürlich nicht unkommentiert. Einige Trump-Fans zeigten sich auf X enttäuscht über die Aussagen der Politikerin, die einst einen republikanischen Wahlkreis im Bundesstaat Georgia vertreten hatte. Eine frühere Kritikerin schrieb: «Sie hat gute Argumente. Ich bin so hin- und hergerissen.»
Andere Stimmen aus dem Lager der Demokraten wiesen darauf hin, dass Greene bis vor wenigen Monaten dem Präsidenten durch dick und dünn assistiert habe. Es sei zwar schön, dass sie sich nun eines Besseren besinne. Aber glaubwürdig sei ihre Kehrtwende wenige Wochen vor der drohenden Wahlniederlage der Republikaner nicht. MTG bereite sich vielmehr auf die Zeit nach Trump vor und strebe ein Comeback an. Bisher wies Greene allerdings die Gerüchte zurück, sie werde sich 2028 um die Präsidentschaft bewerben. (schweizheute.ch)

