«Büchse der Pandora geöffnet»: Putin droht Kiew mit «zerstörerischer» Antwort
Kremlchef Wladimir Putin hat der Ukraine nach ihren jüngsten Angriffen auf Ziele im russischen Hinterland mit einer harten Antwort gedroht. Kiew habe mit den Attacken auf Russlands Wirtschaft die «Büchse der Pandora» geöffnet und den «Geist aus der Flasche» gelassen, sagte Putin am Samstag im russischen Staatsfernsehen.
«Die Gegenmassnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die bekommt ihr», sagte er an die Adresse Kiews. Die Handlungen der russischen Armee würden künftig «noch deutlich spürbarer und zerstörerischer» ausfallen.
Putin räumte ein, dass die ukrainischen Angriffe Schäden verursacht hätten. Auswirkungen auf die Lage an der Front hätten sie seiner Darstellung zufolge jedoch nicht. Russland werde nun empfindliche Bereiche der ukrainischen Wirtschaft ins Visier nehmen. Dabei erwähnte Putin insbesondere die Agrarwirtschaft und die für Kiew wichtigen Getreideexporte.
Die Ukraine greift in ihrem Abwehrkampf zunehmend russische Raffinerien und Logistikzentren an. Damit will sie nach eigenen Angaben Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft und den Nachschub für den Krieg schwächen. Putin, der vor viereinhalb Jahren den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hatte, stellte die angekündigte Vergeltung als Reaktion auf diese Attacken dar.
Weitere Tote nach russischen Angriffen
Am Samstag setzte Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine fort. Im Gebiet Saporischschja wurden nach Angaben des Militärgouverneurs Iwan Fedorow mindestens drei Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Russland habe das Gebiet mit ballistischen Raketen, Drohnen und Gleitbomben angegriffen. Getroffen wurden unter anderem Lagergebäude.
Auch im Grossraum Kiew gab es Tote. Russische Raketen schlugen im Bezirk Boryspil östlich der Hauptstadt ein. Nach Angaben der ukrainischen Behörden starben zwei Menschen, mindestens acht weitere wurden verletzt. Beschädigt wurden unter anderem Lagerhallen, Lastwagen, Wohnhäuser und eine Tankstelle. Bei den Geschossen soll es sich um Raketen des Typs Iskander gehandelt haben.
Der Angriff ereignete sich während eines Besuchs des deutschen Aussenministers Johann Wadephul in Kiew. Der CDU-Politiker nahm gerade mit Präsident Wolodymyr Selenskyj an einem Treffen mit Veteranen teil, als in der Hauptstadt Luftalarm ausgelöst wurde.
Tote auch in Russland und auf der Krim
Auch bei ukrainischen Angriffen auf Russland wurden nach Angaben der dortigen Behörden mehrere Menschen getötet. In Jeisk im Gebiet Krasnodar starben drei Menschen, darunter zwei Kinder. Der ukrainische Generalstab teilte mit, Ziel des Angriffs sei ein Treibstofflager gewesen.
Im Gebiet Samara wurde nach russischen Angaben eine weitere Person getötet. Dort griff die Ukraine eine Ölraffinerie sowie ein Logistikzentrum des Onlinehändlers Ozon an. Das russische Verteidigungsministerium behauptete, in der Nacht insgesamt 457 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Zahl nicht.
Auf der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Krim kamen laut den Besatzungsbehörden zwei weitere Menschen ums Leben. Trümmer einer abgeschossenen Drohne seien in Sewastopol auf einen Bus gestürzt und hätten diesen in Brand gesetzt. Fünf Personen seien verletzt worden. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Frankreich verspricht weitere Abfangraketen
Wadephul kündigte an, sich bei den Verbündeten erneut für die Lieferung von Patriot-Abwehrraketen einzusetzen. Die Ukraine verfügt kaum noch über Munition, mit der sie die schnellen ballistischen Raketen Russlands abfangen kann.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte Kiew am Samstag zusätzliche Abfangraketen zu. Nach einem fast zweistündigen Gespräch mit Selenskyj kündigte er an, die Lieferung neuer französischer Ausrüstung und Raketen zu beschleunigen. Zudem will sich Macron bei weiteren Verbündeten dafür einsetzen, vorhandene Patriot-Raketen an die Ukraine abzugeben.
Am Montag begeht die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Wadephul war bereits am Samstag nach Kiew gereist, um dem Land weitere Unterstützung zuzusichern.
(kma mit Material der sda)
